Freitag, 21. Juni 2013

Sicherung von Sportüberlieferungen – Erfahrungsaustausch und Planungen

Im Mai dieses Jahres nahmen in der Landessportschule Frankfurt 30 Vertreter aus verschiedenen Ländern an dem traditionellen überregionalen Erfahrungsaustausch zur Sicherung von Sportüberlieferungen teil. Peter Schermer führte als Leiter des lsb h – Arbeitskreises „Sport und Geschichte“ in die Tagung ein und beschrieb die schwierige Ausgangslage. In diesem Zusammenhang wies er zum Beispiel darauf hin, dass nur relativ wenige deutsche Sportverbände über ein öffentlich zugängliches Archiv verfügen.

Eine Abfrage bei Archiven der deutschen Großstädte nach dem Umfang der dort verfügbaren Sportüberlieferungen habe ebenfalls zu äußerst ernüchternden Ergebnissen geführt. Auch Heimat- und Geschichtsvereine befassen sich in der Regel nicht mit diesem Thema. Einer Aufstellung des Hessischen Museumsverbands sei zu entnehmen, dass es in Hessen zwar zahlreiche Museen gibt, die sich den Themen „Feuerwehr“, „Jagd“ sowie „Militärgeschichte und Waffen“ widmen, während dagegen als einziges Sportmuseum nur das Museum von Eintracht Frankfurt genannt wird.

Für Baden-Württemberg konnte Markus Friedrich (Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg e. V. in Maulbronn) allerdings eine recht positive Bilanz ziehen. Friedrich machte deutlich, dass das Institut als zentrale Dokumentationseinrichtung des Sports die Schnittstelle zwischen organisiertem Sport sowie den Kommunal- und Staatsarchiven bildet. Die Bestände von zahlreichen Sportvereinen und Sportverbänden Baden-Württembergs wurden durch das Institut erschlossen und über Mikroverfilmung für die Forschung zugänglich gemacht.

Dazu kommen weitere Depositarbestände in staatlichen Archiven und „Musterarchive“ für Vereine und Verbände in Maulbronn. Das Institut gibt eine eigene Publikationsreihe heraus und ist Ansprechpartner für Vereinsarchive sowie für Vereine, die Jubiläumsfeierlichkeiten planen. Zukünftiges Hilfsmittel bei den Erschließungsarbeiten ist eine auf der Basis von Media Wiki entwickelte Archivsoftware. Gemeinsam mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft von Sportmuseen, Sportarchiven und Sportsammlungen (DAGS) veranstaltet das Institut für Sportgeschichte am 24. und 25. Oktober 2013 in Maulbronn eine Tagung zum Thema „Sportgeschichte vernetzt“.

Sonja Thiel (historisches museum frankfurt) berichtete über das Projekt „Mein Stadionbad – eine Ausstellung mit Schwimmbad“, das während der Sommermonate 2012 im Rahmen des partizipativen Ausstellungsformats „stadtlabor unterwegs“ realisiert wurde. Dieses Projekt, das sich mit der Geschichte und Architektur des 1925 in Frankfurt eröffneten Bades beschäftigte, war das Ergebnis einer Kooperation mit dem Verein „Freunde des Stadionsbads“. In Badekleidung konnten die Besucher und Besucherinnen des Schwimmbades in den Genuss der Freiluft- und Unterwasserausstellung kommen.

An der Kasse wurden die Ankömmlinge außerdem nach ihrem Lieblingsplatz im Bad und nach ihrer Zuordnung zu einem der auszuwählenden „Schwimmbadtypen“ befragt. Dies erlaubte dann eine Darstellung der Präferenzen. Im Lauf der Badesaison kamen weitere Ausstellungselemente wie Interviews mit den Badegästen, eine Theaterperformance sowie eine Stadionbadzeitung und ein Ausstellungs-BLOG hinzu. Insgesamt waren 130 Einzelpersonen mittelbar oder unmittelbar an der Planung und Realisierung beteiligt, die zur Bereicherung der Ausstellung beitrugen.

Zum Abschluss der Tagung schilderte Alexander Knöß (Offenbach) sehr anschaulich am Beispiel des „Kickers-Fan-Museums“ (www.kickersfanmuseum.de) die Schwierigkeiten beim Aufbau eines Vereinsmuseums „von Fans für Fans“. In diesem Zusammenhang erläuterte Knöß zunächst die Historie und die Hintergründe der Entstehung des Museums. Dabei hob er die besondere Bedeutung des Fördervereins-Vorsitzenden Thorsten Franke hervor, ohne dessen Sammelleidenschaft das Museum mit seinen über 5000 Exponaten und Devotionalien nicht existieren würde.

Franke war es auch, der die Besucher des von ihm eingerichteten Museums entscheiden ließ, ob dieses auf Dauer weiter bestehen sollte. Die positive Resonanz war so überwältigend, dass diese Frage schnell entschieden war. Allerdings musste von Beginn an eine Lösung für die Finanzierung des kleinen Museums gefunden werden. Über eine „Patenschaftstafel“ führte der Weg zur Gründung eines Fördervereins. Dazu kamen ehrenamtliche Leistungen in erheblichem Umfang. Künftig soll auch ein Förderkreis „Kickers-Fan-Museum“ Mittel „einspielen“, damit die Geschichte der Offenbacher Kickers weiterhin bestaunt werden kann.

Planungen

Der Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ des Landessportbunds Hessen bietet bereits seit mehreren Jahren Fortbildungstagungen zur Archivarbeit im Sport an. Die nächste Veranstaltung findet am Sonnabend, 21. Sept. 2013, in der Landessportschule Frankfurt statt. Bei dieser Tagung werden mit Frau Kraus und Frau Schüßler auch zwei Mitarbeiterinnen des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt mitwirken. Für Sonnabend, 5. Okt. 2013, ist in der Sport- und Bildungsstätte Wetzlar eine Veranstaltung geplant, die sich mit der Erstellung von Vereinsschriften beschäftigen wird.

Hierzu konnten mit Karl-Heinz Petry (Turngau Süd-Nassau) und Rolf Byron (Turngau Mittel-Taunus) zwei sachkundige Referenten gewonnen werden, die seit langer Zeit Erfahrungen mit derartigen Tagungen gesammelt haben. Außerdem werden bei dieser Veranstaltung unter anderem auch Waldemar Krug (Offenbach) sowie Werner Hollstein (Spangenberg) und Karl-Heinz Pilz (Nauheim) mitwirken. Weitere Angaben zu den beiden Tagungen finden Sie im Internetauftritt des Landessportbunds Hessen unter der Rubrik „Sport und Geschichte“. Anmeldeschluss ist am 23. Aug. bzw. am 6. Sept. 2013.


Peter Schermer

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Förderung ehrenamtlicher Archivarbeit durch den Landessportbund Hessen

Mittlerweile haben fast alle hessischen Sportkreise einen Archivbeauftragten benannt, der die Aufgabe hat, Vereine bei ihrer Archivarbeit zu unterstützen und Verbindungen zu öffentlichen Archiven herzustellen. Dies erscheint auch deshalb besonders wichtig, weil ehrenamtliche Archivare in den Sportvereinen im Allgemeinen nicht über das erforderliche Fachwissen verfügen und deshalb auf Beratung durch Experten in den Kommunalarchiven angewiesen sind.

Da die Archivbeauftragten in den Sportkreisen aber bisher unterschiedliche Erfahrungen gesammelt haben, ist für Samstag, 9. März 2013, in der Landessportschule eine Tagung zum Erfahrungsaustausch geplant. Engagierte Kollegen aus den Sportkreisen werden dort über ihre Arbeit berichten und Vorschläge für deren Intensivierung zur Diskussion stellen. Ziel der Veranstaltung ist es, das in Deutschland bisher einmalige Netzwerk von Archivbeauftragten auszubauen und in seiner Effizienz zu stärken.

Der bereits traditionelle überregionale Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen aus allen Landessportbünden soll am Donnerstag, 23. Mai 2013, ebenfalls in der Landessportschule Frankfurt fortgesetzt werden. Diesmal werden neben der Archivarbeit im Sport auch unterschiedliche Verfahren der Sportüberlieferung im Mittelpunkt stehen. Die Tagung wird mit einem Beitrag von Markus Friedrich (Maulbronn) über das in vielerlei Hinsicht vorbildliche Unterstützungssystem des Landessportbunds Baden-Württemberg eröffnet.

Dr. Gabriele Rohr (Leipzig) referiert anschließend über den Ausbaustand des Sportmuseums Leipzig. Zum Thema „Mein Stadionbad – Eine Ausstellung mit Schwimmbad“ wird Sonja Thiel (Frankfurt) über ein bemerkenswertes Projekt des Historischen Museums Frankfurt zur Sportüberlieferung informieren. Mit einem etwas anderen Museum beschäftigt sich dann Alexander Knöß (Offenbach) zum Abschluss der Tagung, wenn er das „Kickers-Fan-Museum Offenbach“ vorstellt.

Zwei Veranstaltungen im Herbst 2013 dienen der Fortbildung von ehrenamtlichen Mitarbei-tern im Sport. Am 21. September dieses Jahres werden Monika Kraus, Claudia Schüßler und Peter Schermer (Frankfurt) in der Landessportschule Frankfurt über Grundlagen der Archivarbeit sprechen und dabei auch auf Probleme der Bestandserhaltung und der Archivierung von Fotos eingehen. Matthias Thoma (Frankfurt) wird am Beispiel von Eintracht Frankfurt über die Archivarbeit in einem großen Sportverein berichten, der außerdem ein eigenes Museum aufgebaut hat.

Am 5. Oktober 2013 soll sich eine Fortbildungsveranstaltung in der Jugendsportstätte Wetzlar auf die Erarbeitung von Vereinsfestschriften konzentrieren. Mit Werner Hollstein (Spangenberg), Waldemar Krug (Offenbach) und Peter Schermer (Frankfurt) werden drei Mitglieder des lsb h – Arbeitskreises „Sport und Geschichte“ über die Planung sowie über Probleme und Lösungsansätze bei der Erstellung von Vereinsfestschriften referieren. Claudia Schüßler (Frankfurt) ergänzt diese Ausführungen durch Hinweise auf die Verwendung von Fotos in Vereinsfestschriften.

Peter Schermer

Dienstag, 23. Oktober 2012

Sportfotos richtig verzeichnen und aufbewahren

30 ehrenamtliche Archivare aus Sportvereinen, Sportkreisen und Sportverbänden waren Anfang Oktober dieses Jahres in die Sport- und Bildungsstätte des Landessportbunds Hessen nach Wetzlar gekommen, um sich über Möglichkeiten der Langzeitaufbewahrung von Fotografien informieren zu lassen. Das große Interesse an dieser Tagung zeigte anschaulich, dass hier noch erhebliche Informationsdefizite bestehen.

In einem Grundsatzreferat ging Frau Dr. Petra Rau (Frankfurt) ausführlich auf die äußerst differenzierte Entwicklung der Fotografie seit ihrem Entstehen ein. Das ist vor allem auch deshalb von Bedeutung, weil die empfohlenen Klimabedingungen für eine Langzeitaufbewahrung der Fotos von dem jeweiligen Verfahren der Fotografie abhängen.

So werden z. B. für die Aufbewahrung von Papierabzügen schwarzweißer Filme in der Regel eine Höchsttemperatur von 18 Grad Celsius und eine maximale relative Luftfeuchte von 50% empfohlen. Bei Papierabzügen von Farbfilmen sollte die Maximaltemperatur aber nur zwischen 4 und 0 Grad betragen, bei einzelnen Verfahren sogar weniger als 0 Grad. Besondere Vorsicht muss bei Nitratfilmen walten, weil diese relativ leicht entflammbar sind. Vor der Bearbeitung von Fotografien muss deshalb zunächst jeweils das fotografische Verfahren identifiziert werden.

Wegen der großen Schwierigkeiten bei einer optimalen Langzeitaufbewahrung von Fotografien schlug die Referentin vor, analog vorliegendes originales Archivgut grundsätzlich zu digitalisieren, wenn es auf Dauer von Bedeutung ist. Dann dürfen aber die Originale - wie zum Beispiel Negative oder Farbabzüge - nach der Digitalisierung nicht vernichtet werden. Diese Originale sind vielmehr in holz- und säurefreien Kartons aufzubewahren, die in geeigneten Archivräumlichkeiten gelagert werden.

Herr Dr. Michael Habersack (Archivberatungsstelle des Landes Hessen) konnte mit seinem Referat zur Archivierung digitaler Fotos direkt an die Ausführungen von Frau Dr. Rau anschließen. Er machte deutlich, dass es genuin digitale Bilder und Digitalisate erlauben, Fotos beliebig oft kostengünstig in gleichbleibender Qualität zu kopieren. Sie sind dann auch im Internet - zum Beispiel auf der Homepage des Vereins - zu verwenden. Digitalisate dienen im Übrigen als Schutzmedium, weil die analogen Originale geschont werden.

Der Referent erläuterte außerdem einige Grundbegriffe wie Auflösung bzw. Bildqualität und beschäftigte sich dann mit den verschiedenen Speicherformaten. Er empfahl, Bilder möglichst im TIFF-Format abzuspeichern, weil so Qualitätsverluste vermieden werden können. Wenn Fotos dagegen bereits im JPEG-Format zur Verfügung gestellt wurden, sollte von einer Speicherung im TIFF-Format abgesehen werden, weil damit der Datenverlust durch JPEG-Kompression nicht rückgängig zu machen ist. In Zukunft dürfte das Format JPEG2000 eine Alternative sein, weil es verlustfrei komprimiert.

Dr. Habersack ging darüber hinaus auf die verschiedenen Speichermedien ein und erläuterte auch die sogenannten „RAID-Systeme“, bei denen gezielt Sicherungskopien erzeugt werden. Er betonte die Notwendigkeit einer zusätzlichen Sicherungsspeicherung von auf Festplatten gespeicherten digitalen Fotos. Diese Datensicherung müsse auf mindestens einer zweiten (externen) - besser auf zwei weiteren Festplatten - realisiert werden. Bei zwei Sicherungsspeichern sei es zweckmäßig, die Datensicherung zeitversetzt in regelmäßigen Intervallen vorzu-nehmen.

Praxisbezogene Beispiele standen im Mittelpunkt des die Tagung abschließenden Beitrags von Georg Habs (Stadtarchiv Wiesbaden), der sich vor allem mit dem zentralen Thema der „Verzeichnung von Fotos“ beschäftigte. Habs hob hervor, dass unkommentierte Bilder in der Regel wertlos sind, wenn nichts über die handelnden Personen und die Handlungszusammenhänge bekannt ist. Allerdings könne man über „Hilfskonstruktionen“ versuchen, zumindest vorläufige Hinweise zu diesen Bildern zu gewinnen, die dann deren Zuordnung erlauben.

Vollständige Bildinformationen bedeuten in jedem Fall eine erhebliche Wertsteigerung von Fotos. Im Normalfall sollten deshalb von vornherein detaillierte Informationen zu einem Foto unter Verwendung einer entsprechenden Signatur in einer eigenen Datei erfasst werden. Zu jedem Foto müssten Ortsangaben sowie Angaben zum Datum, zu den beteiligten Personen und zum jeweiligen Ereignis gesammelt werden. Außerdem sind Informationen zum Fotografen und zu dem Inhaber der Rechte erforderlich.

Herr Habs empfahl darüber hinaus die Aufnahme von Hinweisen zur Art und zur Quelle des Mediums sowie die Vergabe von Schlagworten. Dabei ist allerdings auf die Verwendung zeit-gemäßer Begriffe und auf Veränderungen der Rechtschreibung zu achten. Selbst bei einem Verzicht auf relativ teuere „Verzeichnungs-Software“ könnten die entscheidenden Informationen auch dann nach unterschiedlichen Kriterien ausgewertet werden, wenn sie zumindest in einer Excel-Datei abgespeichert wurden. Allerdings sei es notwendig, „Verzeichnungsfallen“ zu vermeiden, die auf mangelnde Sorgfalt zurückzuführen sind.

Peter Schermer (lsb h – AK „Sport und Geschichte) dankte zum Abschluss der Tagung Frau Dr. Rau und den beiden Referenten für ihre sachkundigen Ausführungen. Er stellte fest, dass die verschiedenen Beiträge gezeigt hätten, wie wichtig die Zusammenarbeit mit Archiven sei, in denen professionelle Archivare und Archivarinnen tätig sind. Leider gebe es in Hessen allerdings nur drei Kreisarchive, an die sich ehrenamtliche „Archivare“ in den Sportvereinen mit ihren Fragen wenden könnten. Umso größer sei die Bedeutung der hessischen Archivberatungsstelle in Darmstadt.

Peter Schermer

Donnerstag, 23. August 2012

Überlieferungsbildung im Sport: Archivarbeit und Sportgeschichte

Im Mittelpunkt des diesjährigen vom Landessportbund Hessen im Mai veranstalteten überregionalen Erfahrungsaustausches zur Archivarbeit im Sport standen die Bezüge zwischen Archivarbeit und Sportgeschichte. Darauf wies in seinem Grußwort Professor Dr. Heinz Zielinski als zuständiger Vizepräsident des Hessischen Landessportbunds hin. Zielinski freute sich sehr, die mittlerweile schon traditionelle Veranstaltung wieder eröffnen zu können, und wünschte einen interessanten Verlauf der Tagung.

Professor Dr. Michael Krüger (Universität Münster) ging in seinem Eröffnungsreferat auf die unterschiedlichen Aspekte der Sportgeschichte ein. Er zitierte Jürgen Kocka, nach dem das „Haus der Geschichte viele Zimmer“ habe und hob die Leistungen dieses Teilgebiets der Geschichtswissenschaft hervor. Krüger machte aber auch deutlich, dass die universitäre Sportgeschichte in Deutschland nach einer Blüte während der Nachkriegsjahre zunehmend an Bedeutung verloren habe. Selbst im internationalen Vergleich sei Deutschland mittlerweile zurückgefallen.

Dr. Christian Keitel (Landesarchiv Baden-Württemberg) bezog sich mit seinen Ausführungen auf die von einer DFG-Arbeitsgruppe festgestellten Defizite der Kommunikation zwischen Archiven und historischen Wissenschaften. Keitel beschrieb erkennbare Tendenzen, die aus seiner Sicht nicht unproblematisch seien. So gebe es selbst bei Wissenschaftlern zunehmend die Neigung, sich auf im Internet verfügbare Informationen zu stützen und authentische Archivalien nicht zu berücksichtigen. Andererseits wären neue Nutzergruppen zu erwarten, zu denen auch kurzzeitinteressierte „Internet-Flaneure“ gehören.

Die weiteren Beiträge stützten insgesamt die bereits von Prof. Krüger vertretene Auffassung, das Interesse an Sportüberlieferung sei gestiegen, während die Bedeutung der Sportgeschichte im Rahmen der Sportwissenschaft abgenommen habe. So berichtete Dr. Norbert Schloßmacher als Leiter des Stadtarchivs Bonn über die Entstehung eines mittlerweile sehr nachgefragten Buchs zur Sportgeschichte dieser Stadt, das von ihm zusammen mit zwei Hochschullehrern unter dem Titel „Bonn in Bewegung“ herausgegeben wurde.

Durch die Verteilung der Arbeit auf viele Schultern sei es gelungen, in immerhin 24 Beiträgen nicht nur auf einzelne Sportarten einzugehen, sondern auch übergreifende Themen wie zum Beispiel „Motive und Hintergründe von Sportbegeisterung“ sowie „Prozesse der Integration im Sport“ zu behandeln. Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Vorhabens sei die Kooperation mit dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn gewesen.

Waldemar Krug (Offenbach) und Dr. Alexander Priebe (Heppenheim) beschrieben am Beispiel unterschiedlicher Projekte aus der Sportgeschichte ihre Erfahrungen mit der Nutzung von Archiven. Ausgangspunkt für die Bemühungen von Krug um ein nachhaltiges Gedenken an die berühmte Fechterin Helene Mayer war die 100. Wiederkehr ihres Geburtstags im Jahr 2010.

Aus einer relativ bescheidenen Zielsetzung heraus entwickelte sich eine ganze Veranstaltungsreihe, mit der an Helene Mayer erinnert wurde, die aus politischen Gründen an den Olympischen Spielen in Berlin teilnehmen durfte, obwohl sie einen jüdischen Vater hatte. Höhepunkte waren eine umfangreiche Ausstellung sowie die Organisation der Helene Mayer gewidmeten Deutschen Meisterschaften im Florettfechten. Als Glücksfall erwies sich die Tatsache, dass mit einer in Frankfurt lebenden Verwandten der Sportlerin eine Zeitzeugin befragt werden konnte.

Für Dr. Alexander Priebe stand bei seinen Arbeiten die Frage im Vordergrund, welche Überlegungen dazu geführt hatten, Basketball bei den Olympischen Spielen 1936 in das Wettkampfprogramm aufzunehmen, obwohl Deutschland über keine Erfahrungen mit dieser Sportart verfügte. Priebe nutzte neben dem Archiv des Deutschen Basketballbundes zahlreiche andere Archive, zu denen auch das Archiv des Olympischen Studiencenters in Lausanne gehör-te. In allen Fällen wurde er nach Kräften unterstützt und mit einschlägigen Informationen versorgt.

Danach gab Martin Schwarzweller als Geschäftsführer des Sportbunds Pfalz einen umfassenden Überblick über die vorbildlichen Bemühungen dieses Sportbunds, Sportgeschichte zu einem Bestandteil der Verbandsarbeit zu machen. Ausgangspunkt war die Gründung eines Arbeitskreises „Sportgeschichte Sportbund Pfalz“. Seit 2009 werden in Kooperation mit dem Landesarchiv Speyer Seminare für Vereinsarchivare angeboten. Ein Jahr später begannen konkrete Gespräche mit Vertretern des Deutschen Schuhmuseums in Hauenstein, die schließlich dazu geführt haben, dort auch ein Pfälzisches Sportmuseum einzurichten.

Als krönenden Abschluss der Veranstaltung steuerte schließlich Manfred Nippe (Berlin) ein Feuerwerk von Informationen über Archive, Museen und Gedenkstätten des Sports in Berlin bei. Neben dem Bundesarchiv, dem Geheimen Staatsarchiv und dem Landesarchiv sind vor allem die Staatsbibliothek sowie die Zentral- und Landesbibliothek als Datenquellen von Bedeutung. Zu den erwähnenswerten Museen gehören neben dem Sportmuseum und dem Deutschen Historischen Museum auch kleinere regionale Museen.

Peter Schermer (lsb h – Arbeitskreis „Sport und Geschichte“) dankte allen Referenten und Teilnehmern für ihre Mitwirkung und sagte zu, den überregionalen Erfahrungsaustausch fortzusetzen. Die nächste Tagung ist für den 23.Mai 2013 geplant. In der Zwischenzeit sollten die in dieser Tagung geknüpften Kontakte für eine Intensivierung der Bemühungen um die Bewahrung von Sportgeschichte genutzt werden. Deshalb ist es wichtig, das informelle Netzwerk der an Archivarbeit und Sportgeschichte Interessierten weiter auszubauen.

Dieser Beitrag wurde in Heft 12/2012 der Zeitschrift „Sport in Hessen“ (S. 32 f.) erstmals veröffentlicht.

Peter Schermer

Montag, 6. August 2012

Zum Sachstand der Archivarbeit im Sport aus hessischer Sicht

Quellenbezogene Geschichtsschreibung ist unter anderem auf gut funktionierende Archive angewiesen, in denen wichtige Unterlagen dauerhaft aufgehoben, gesichert und zugänglich gemacht werden. Hierfür gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder liefern Institutionen ihre „Alt-Akten“ regelmäßig an öffentliche Archive ab
– oder aber sie richten eigene Archive ein, wie dies beispielsweise bei Hochschularchiven oder Wirtschaftsarchiven der Fall ist.

Diese Aussagen gelten grundsätzlich auch für das Fachgebiet der Sportgeschichte, das ebenfalls dringend auf Archivunterlagen angewiesen ist. Eine vorläufige Bestandsaufnahme zeigt allerdings, dass gerade im Sportbereich noch erhebliche Defizite bei der dauerhaften Aufbewahrung von wichtigen Unterlagen festzustellen sind. So kann zurzeit nur bei 6 von insgesamt 16 Landessportbünden mit Sicherheit gesagt werden, wie sie mit ihren Alt-Akten umge-hen. In Hessen wird allerdings seit mehreren Jahren am Aufbau eines Archivs des Landessportbunds gearbeitet.

Bei den hessischen Sportvereinen sieht es zumindest auf den ersten Blick ebenfalls recht positiv aus. Denn eine Bestandserhebung des Arbeitskreises „Sport und Geschichte” beim Landessportbund Hessen hat im Frühjahr 2008 zu dem Ergebnis geführt, dass etwa 700 der antwortenden Vereine über ein Archiv verfügen. Dies entspricht immerhin einem Anteil von knapp 10 % aller hessischen Sportvereine.

Dieses Ergebnis erscheint auch deshalb plausibel, weil vermutlich nur die größeren Sportvereine in der Lage sind, ein Archiv einzurichten und zu betreuen. Die genannte Zahl sagt allerdings nichts über den Umfang der gesammelten Materialien, über deren Unterbringung und über den Umfang von Maßnahmen der Bestandserhaltung aus. Dazu kommt noch, dass Vereinsarchive in der Regel nicht von ausgebildeten Archivaren betreut werden.

Darauf deutet unter anderem die Tatsache hin, dass sich bei der oben genannten Umfrage immerhin knapp 600 der antwortenden Sportvereine Fortbildungsangebote für die ehrenamtlichen Archivare gewünscht haben. Bei unsachgemäßer Behandlung der aufzubewahrenden Unterlagen besteht nämlich die Gefahr des Verlusts wichtiger Dokumente, wenn anerkannte Grundsätze der professionellen Archivarbeit nicht berücksichtigt werden.

Der Landessportbund Hessen konzentriert sich daher bei Überlegungen zur Unterstützung der Archivarbeit in den Sportvereinen zunächst auf Fortbildungsangebote sowie auf die Förderung der Zusammenarbeit mit öffentlichen Archiven und hauptberuflichen Archivaren. Deshalb wird vom Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ auch den Abstimmungsgesprächen mit dem Landesverband Hessen im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare große Bedeutung beigemessen.

Außerdem wurde Kontakt mit der Archivberatungsstelle Hessen sowie mit der Archivschule Marburg aufgenommen. Auf regionaler Ebene sollen die notwendigen Maßnahmen durch „Archivbeauftragte“ der Sportkreise unterstützt und koordiniert werden. Mittlerweile sind bereits von den meisten Sportkreisen Archivbeauftragte benannt worden.

Zusätzliche Informationen finden sich im Internetauftritt des Arbeitskreises „Sport und Geschichte“ beim Landessportbund Hessen (www.landessportbund-hessen.de/bereiche).

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